Die vier Frauen, die die Gruppe
>Kobalt< bilden, gehen als Malerinnen den Weg vom biologischen
Leben zum geistigen Leben, von einer individuell begrenzten zu einer
allgemein gültigen Aussage. Was sie zeichnen und malen
entspringt sowohl dem Leben, das sie als Frau erfahren, als auch dem
Wunsch, bildhaft darzustellen, was sie innerlich bewegt und von außen
auf sie eindringt. Der Geist erschöpft sich nicht im Gemüt;
er fordert darüber hinaus, das Gemüt nicht negierend, eine
Klärung der Ich- und Welterfahrung.
Ihre künstlerische Ausbildung an
der Hochschule für künstlerische und industrielle
Gestaltung in Linz bei Prof. Eric Ess verwies sie auf die Bedeutung
eines Motivs und darauf, dass es nicht abgebildet, sondern geformt
werden soll. Beide Forderungen fanden die Frauen in den >Klassikern<
der >Moderne<, erfüllt. Sie sind von deren unmittelbarer
Lebendigkeit ebenso beeindruckt wie von ihrem Ordnungswillen. Für
sie sind sie nicht nur eine historische Erscheinung, sondern ein
wichtiger Hinweis darauf, dass es nicht gilt, die künstlerischen
Errungenschaften der >Gründergeneration< der >modernen
Kunst< des 20. Jahrhunderts als Tor zu einer unverbindlichen
>Freiheit< oder bloß als etwas >Neues< zu
verstehen, sondern als Ansatz zu einer Formsprache, die sowohl
mensch- als auch weltbezogen ist.
Die Gruppe der vier Frauen nennt sich
>Kobalt<, weil die Farbe ein wichtiges Mittel zu einer solchen
Aussage ist. Eine Aussage ohne ihr entsprechende Mittel ist nicht
möglich. Sie sind Ordnungsträger für die bildliche
Darstellung von Dingen und Geschehnissen, die den Geist berühren.
Ihre Arbeiten erschöpfen sich daher nicht in einer
unverbindlichen >Modernität<, ihr Inhalt und ihre Form
sprechen den Menschen an.
Heimo Kuchling